Tristan Meister erklärt den Chorwettbewerb „Mannheimer Morgen“ und die Buga-Kultur (2023)

Herr. Meister, 2022 war das Jahr der Chöre, sogar Altbundespräsident Christian Wulff hat sich dafür eingesetzt. Ist dir davon etwas aufgefallen?

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Tristan Mestre:Sehr wenig. Die letzten Jahre waren für die Chöre extrem schwierig und wir hatten mehr als genug Unterstützung. Die optimistische Ausrufung eines Jahres für Chöre kam genau zur rechten Zeit. Vielleicht etwas zu früh, denn leider hatten wir in den ersten Monaten noch einige Einschränkungen zu bewältigen, die teilweise noch nachwirken. Aber ich habe den Eindruck, dass viele Chöre wieder Fahrt aufgenommen haben.

Auch dank Christian Wulff?

Maestro:Mit Sicherheit! Persönlichkeiten wie er sorgen dafür, dass die Chormusik eine breitere öffentliche Präsenz erhält. Aber wir sind noch lange nicht da, wo wir vor der Pandemie waren. Es wird wohl noch ein paar Jahre Back-to-Back-Chöre dauern...

Chöre bringen nicht nur Kultur, sondern wie Sportvereine auch sozialen Zusammenhalt. Was muss passieren, damit der Motor wieder rund läuft?

Maestro:Im Moment fehlt uns der fröhliche, positive Ansatz des Chorgesangs, der eine unglaublich konstruktive Gemeinschaftsaktivität ist. Im Chor singen Menschen aller Generationen und Hintergründe zusammen und arbeiten auf ein gemeinsames Ziel hin. Nicht nur dafür muss Chormusik im Alltag präsenter werden: Wir brauchen große Shows, Festivals, Flashmobs, Singalongs und den so wichtigen grenzüberschreitenden Kulturaustausch zwischen Chören aus aller Welt. Das funktioniert aber nur mit entsprechender Unterstützung von Politik und Gesellschaft, finanziell und mit aktiver Beteiligung.

Es singt viel und vor allem sehr gut

Könnte ein Chorwettbewerb, wie ihn der „Mannheimer Morgen“ in diesem Jahr zusammen mit der BUGA 23 und Ihnen veranstaltet, eine Chance sein?

Maestro:Definitiv. Die Arbeit für einen Chorwettbewerb wie diesen kann für einen Chor äußerst motivierend und lohnend sein. Zudem wird der so wichtige zwischenmenschliche Austausch zwischen Chören und Sängern an einem Wettbewerbswochenende noch einmal vertieft und intensiviert. Y: Auf der BUGA erreicht man ein unglaublich breites Publikum und damit viele Menschen, die vielleicht wenig Kontakt zu Chören, geschweige denn zu Chorwettbewerben hatten. Dies soll auch Chöre über die Rhein-Neckar-Region hinaus anziehen.

Welche Ensembles und Chöre fallen Ihnen ein? Welche Protagonisten machen sozusagen das Korallengesicht der Region aus?

Maestro:Oh, es ist schwer, nur einen hervorzuheben. Wir haben das Glück, eine sehr aktive und vielfältige Szene zu haben, wenn es um Chormusik geht. Natürlich wünsche ich mir, dass sich Traditionsvereine wie die Mannheimer Liedertafel und ihre Ensembles ebenso geleitet fühlen wie die kirchlichen Chöre, die hier in Mannheim, Heidelberg und der Region auf höchstem Niveau arbeiten. Auch in den Bereichen Pop, Jazz und Gospel sind wir sehr gut aufgestellt und es haben sich in den letzten Jahren viele Vokalensembles gebildet, für die ein solcher Wettbewerb ebenfalls attraktiv sein muss. Wir wollen aber auch Chöre aus dem ländlichen Raum ansprechen und ausdrücklich einladen. Da wird viel gesungen und vor allem viel Gutes – im Kraichgau, in der Pfalz oder im Odenwald.

Mit dem Frauenchor 4x4 und dem Jungen Kammerchor reisen zwei sehr kleine Ensembles zum Deutschen Chorwettbewerb, der auch in diesem Jahr stattfindet. Wie wird ein Laienchor so gut?

Maestro:Beide sind absolute Aushängeschilder unserer Region! Bemerkenswert ist vor allem, dass diese Chöre das hohe Niveau seit vielen Jahren halten können und nicht zum ersten Mal am Deutschen Chorwettbewerb teilnehmen. Dies zeugt von einer absolut professionellen und zielorientierten Arbeit. Zum einen kommt es natürlich auf die Auswahl der Mitglieder an, die gerade in kleinen Besetzungen klanglich miteinander harmonieren müssen. Aber auch in Vokal- und Chorarbeit verbunden mit einer klaren musikalischen und klanglichen Konzeption. Beide Chöre setzen sich überwiegend aus jungen Sängerinnen und Sängern zusammen und die Besetzung ist nicht unbedingt über die Jahre konstant. Motivation und eine technische Herangehensweise sind immer gefragt. Herzlichen Glückwunsch an Heike Kiefner-Jesatko und Mathias Rickert, die dafür verantwortlich sind.

der Chorwettbewerb

  • Der Wettbewerb:In Kooperation mit derBundesgartenschau2023 emMannheimveranstaltet der „Mannheimer Morgen“ am Wochenende des 23. und 24. September 2023 ein großes EventChorwettbewerbneinZimmer im Waldim Luisenpark. Die Bewertung wird wahrscheinlich in die folgenden sieben Kategorien fallen: 1. Gemischte Chöre. 2. Frauenchöre. 3. Männerchöre. 4. Jugendchöre. 5. Pop- und Jazzchöre. 6. Gemischte Kammerchöre mit bis zu 36 Mitgliedern. 7. Gesangsgruppen mit bis zu 16 Mitgliedern.
  • Bieten:Wir werden den Wettbewerb im Februar hier bekannt geben und ein Teilnahmeformular erstellen. (Wenn Sie regelmäßig über Neuigkeiten zum Wettbewerb informiert werden möchten, wenden Sie sich bitte aneventos@mamo.de).
  • Der Fahrer: Tristan MestreEs ist der 14.11.1989LimburgWir wurden geboren. Leitung an der Staatlichen Hochschule für Musik und Darstellende KunstMannheimstudierte, wo er heute auch als Professor für Chorleitung und in gleicher Funktion an der Musikhochschule lehrtFrankfurt.Maestroleitet mehrere Chöre, darunter die von ihm gegründete Vox QuadrataMannheim.

Können diese Chöre am Wettbewerb am 24. und 25. September in der Baumhainhalle teilnehmen? Und werden sie?

Maestro:Zumindest würde ich mich freuen, wenn sie es täten! Der Wettbewerb zielt darauf ab, die ganze Bandbreite der regionalen und nationalen Chorszene zu zeigen, und jede Gruppe findet dort ihren Platz oder ihre Kategorie.

Wie vergleicht man bei einem solchen Wettbewerb sehr ambitionierte und gut ausgebildete Laienchöre mit Gesangsvereinen und Kirchenchören?

Maestro:Es wird Kategorien geben, die das etwas dämpfen. Klar ist aber auch, dass nicht alle Chöre, die an einem Chorwettbewerb teilnehmen, mit der Ambition ankommen können, den ersten Preis zu gewinnen. Darum geht es nicht. Es geht darum, sich musikalisch bestmöglich zu präsentieren und somit Impulse und Anregungen von einer spezialisierten Jury zu erhalten. Davon profitieren alle teilnehmenden Chöre, auch wenn es Mut erfordert, sich einem externen Urteil zu stellen. Am Ende soll aber jede Leistung angemessen gewürdigt werden und niemand sollte enttäuscht nach Hause gehen, weil er weniger Punkte hat als jemand anderes.

Was sind die Kategorien?

Maestro:Wir werden eine Kategorie für gemischte Chöre haben, Frauen- und Männerchöre, von denen wir zumindest die Kategorie der gemischten Chöre in Kammerchöre bis 36 und Chöre ab 36 Sängerinnen und Sänger unterteilen werden. Hinzu kommen eine Kategorie für Jugendchöre und Chöre mit Jazz-Pop-Schwerpunkt sowie eine Kategorie für Vokalensembles. Wenn die Anzahl der Datensätze ausreicht, sind wir auch offen dafür, weitere Kategorien zu teilen oder detaillierter zu spezifizieren. Wichtig ist am Ende, dass sich jeder Chor in seiner Kategorie wohlfühlt.

Gibt es inhaltliche Bezüge zu den Themen der BUGA 23?

Maestro:Die BUGA hat sich dem Thema Nachhaltigkeit verschrieben und mit „Unsere Stimme für unseren Planeten“ auch dem Chorbereich eine klare inhaltliche Richtung gegeben. Natürlich wollen wir den Chören gerade für den Wettbewerb etwas Freiheit bei der Auswahl der Literatur lassen, damit sie ihr Bestes geben können. Mindestens ein Werk sollte aber einen Bezug zur Natur haben, was meiner Meinung nach bei der Fülle an Stücken gut umsetzbar ist.

Ist Singen schlecht fürs Klima?

Maestro:Ein klares Nein! Natürlich gibt es auch in unserer Szene kleinere Problemzonen, wie das langsame Scannen von Noten oder die Notwendigkeit zu reisen. Aber gerade bei diesen Punkten sind wir auf dem richtigen Weg. Es ist wirklich schön zu sehen, wie hier bewusster mit Ressourcen umgegangen wird und Bahnreisen statt Flugreisen geplant werden.

Das war eine provokantere Frage. Aber im Ernst: Kann Chorgesang etwas in der Gesellschaft bewirken?

Maestro:Die Stärke des Liedes (Chorus) ist – und hier wollen wir die Chöre mit diesen Aktionen ansetzen – auf gesellschaftliche Missstände hinzuweisen und damit andere Menschen zum Nachdenken über ihr Verhalten und die allgemeine Situation anzuregen. Im 19. Jahrhundert, als die Chormusik auf ihrem Höhepunkt war, waren gesellschaftskritische Werke weit verbreitet. Ein bisschen davon schadet uns heute auch nicht.

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Author: Duane Harber

Last Updated: 12/02/2022

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